Schalenwild

Unter Schalenwild versteht der Jäger die wildlebenden Huftiere, wobei in Niederösterreich nur Paarhufer vorkommen. Systematisch lassen sich die heimischen Wildpaarhufer in die Wiederkäuer und die Nichtwiederkäuer einteilen.
Zu den Nichtwiederkäuern zählt die Familie der Schweine mit dem Schwarzwild (Wildschwein), zu den Wiederkäuern die Familie der Hirsche (Cervidae), das sind die Geweihträger Rot-, Dam- und Sikawild sowie Rehwild und Elchwild und die Familie der Hornträger (Bovidae), Gams-, Stein- und Muffelwild.

Mufflon

Das zu den Wildschafen zählende Mufflon hat ein kurzes, braunrotes Sommerhaar. Spiegel, Bauchunterseite, die Unterseite der Läufe und der Äser sind grauweiß. Das Winterhaar ist lang und sehr dicht. Die Widder besitzen am Rücken einen grauweißen Sattelfleck, der auch Schabracke genannt wird.
Im Alter von etwa einem Monat beginnt beim Widderlamm die schneckenartigen Gehörne zu wachsen. Mit dem 1. Lebensjahr weist das Widdergehörn eine Länge von ca. 20 cm auf. In den Wintermonaten wird das Gehörnwachstum wie bei allen gehörntragenden Wildarten eingestellt. Das stärkste Wachstum weist das Gehörn (“Muffelschnecke”) im 2. Lebensjahr auf. Ab dem 5. – 6. Lebensjahr geht das Längenwachstum stark zurück. Die Schnecke kann bei alten Widdern eine Länge von über 80 cm erreichen. Das Alter des Muffelwidders kann an den Jahresringen abgezählt werden. Das Muffelschaf trägt keine Schnecke, ganz selten jedoch kleine Hornstümmel.

  • Brunftzeit: Oktober / November (evtl. bis Dezember)
  • Trächtigkeitsdauer: ca. 22 Wochen
  • Setzzeit: April / Mai
  • Lämmer: 1 (selten 2)
  • Verbreitung: Das Mufflon stammt aus Sardinien und Korsika und kommt in Österreich in freier Wildbahn in einigen Kolonien vor.

Rehwild

Das zu den Trughirschen zählende Reh (Capreolus capreolus) erreicht eine Schulterhöhe von bis zu 80 cm und eine Kopf-Rumpf-Länge von 95 bis 135 cm. Die Geiß ist kleiner als der Bock. Das Reh besitzt hohe Läufe mit schmalen, scharfrandigen Schalen. Es kann schnell laufen, weit springen und gut schwimmen.

Seine Decke ist im Sommer rotbraun und im Winter graubraun mit einem weißen Spiegel, mit dessen Hilfe u.a. das Geschlecht unterschieden werden kann. Er dient wahrscheinlich den Kitzen zur Orientierung und hilft dem nachfolgenden Rudel auf der Flucht.

 

  • Brunftzeit: Juli – Mitte August
  • Trächtigkeitsdauer: ca. 40 Wochen, davon 18 Wochen Keimruhe (August – Dezember)
  • Setzzeit: Mai – Juni
  • Kitze: meist 2, selten 1 oder 3
  • Verbreitung: Das Reh ist die häufigste und kleinste Hirschart in Europa, die vom Tiefland bis in das Hochgebirge vorkommt. Anatomisch muss man das Reh zu den “Schlüpfern” einteilen. Es kann von seinem Körperbau her besonders gut den Lebensraum des Waldrandes und des Unterholzes nützen. Als ausgesprochener Kulturfolger kommt das Reh bis in die Nähe menschlicher Siedlungen vor. 
    In Niederösterreich ist das Rehwild in allen Bezirken stark vertreten.

Rotwild

Das zu den Echthirschen zählende Rotwild (Cervus elaphus) erreicht eine Schulterhöhe von bis zu 150 cm und eine Kopf-Rumpf-Länge von 160 bis 250 cm. Dabei ist der Hirsch größer als das Tier. Rotwild besitzt schlanke, aber kräftige Beine und kann schnell laufen, weit springen und gut schwimmen.

Die Decke ist im Sommer rotbraun, im Winter graubraun. Der Hirsch hat eine dicke Halsmähne (Brunftmähne).

Der Abwurf der Geweihstangen erfolgt im Februar/März. Das jährlich neu nachwachsende Geweih ist im Juli vollendet und wird bis Anfang August gefegt. Es kommt auch vor, dass eine Geweihbildung unterbleibt; diese Hirsche werden als „Mönche“ bezeichnet.

  • Brunftzeit: September – Oktober
  • Trächtigkeitsdauer: 32 Wochen
  • Setzzeit: Mai – Juni
  • Verbreitung: Rund die Hälfte Österreichs ist von Rotwild besiedelt. Der Rothirsch ist der größte in Österreich vorkommende Vertreter der Hirschartigen. Aus dem früheren Steppentier wurde bei uns ein reiner Waldbewohner. Durch die geänderten Lebensbedingungen (Straßen- und Siedlungsbau, Tourismus etc.) und das verstärkte Freizeitverhalten der Menschen sind die Lebensräume für den Rothirsch in Österreich stark eingeschränkt worden.

Schwarzwild

Das Wildschwein (Sus scrofa), das ebenso zur Ordnung der Paarhufer (Schalenwild) gehört, weist einen gedrungenen Körper mit hohem, keilförmig gestrecktem Kopf auf. Kopf und vorderer Brustteil machen ca. ein Drittel der Gesamtlänge, die 110 bis 180 cm beträgt, aus. Schwarzwild erreicht eine Widerristhöhe von rund 115 cm.

Der Schwanz (“Pürzel”), an dessen Ende sich lange Haare befinden, ist bis ca. 25 cm lang. Die Schwarte ist mit steifen, an der Spitze mehrfach gespalteten Borsten bedeckt. Sie sind am längsten über dem Widerrist und werden bei Erregung aufgestellt.

Im Winter sind die Borsten durch die Unterwolle durchwachsen und geben dem Schwarzwild Schutz vor Kälte. Die Borsten sind silbergrau bis schwarz im Winter. Borsten und Unterwolle werden nur einmal, im Frühjahr, gewechselt. In der Färbung gibt es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Nur die Frischlinge sind charakteristisch längsgestreift. Die Keiler besitzen einen massigeres und längeres Haupt, die Eckzähne (Hauer im Unterkiefer und Haderer im Oberkiefer) sind beim Keiler wesentlich besser ausgeprägt als bei der Bache.

  • Rauschzeit: November (Oktober) – Jänner (Mai)
  • Trächtigkeitsdauer: rund 115 Tage
  • Wurfzeit: entsprechend der Paarungszeit
  • Verbreitung: Von den Flachlandgebieten, Augebieten bis in das Mittelgebirge des Voralpenlandes ist das Schwarzwild mehr oder weniger stark verbreitet. In den Hochlagen der Gebirge kann das Wildschwein mangels ausreichender Nahrung nicht ständig leben. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt im Osten Österreichs. Durch die in den letzten Jahren häufiger auftretende Buchen- und Eichenmast und durch den Maisanbau gefördert, vermehrt sich das Schwarzwild stark und breitet sich auch immer mehr ins Niederösterreichische hinein aus.
  • Schwarzwild ist die einzige Schalenwildart, die ohne Abschussplan bejagt wird.

Damwild

Das Damwild gehört zur Familie der Hirsche und zählt zu den mittelgroßen Schalenwildarten. Es ist kleiner als der Rothirsch und zeichnet sich durch sein typisch geflecktes Fell aus, das es unverwechselbar macht. Die Männchen tragen ein Schaufelgeweih, das je nach Stärke in verschiedene Kategorien unterteilt wird: Damspießer, Löffler, Halbschaufler, Schaufler und Vollschaufler.

Die Schmalspießer, deren erstes Geweih im zweiten Lebensjahr wächst, werfen dieses bereits im Mai/Juni ab, deutlich früher als ältere Damhirsche. Anders als bei anderen Geweihträgern gilt hier nicht der Grundsatz „Alt fegt vor jung“.

Auffällig ist der Größenunterschied zwischen den Geschlechtern, bekannt als Geschlechts- oder Sexualdimorphismus. Hirsche können fast doppelt so viel wiegen wie weibliche Alttiere.

  • Brunftzeit: Oktober/November
  • Tragzeit: 7,5 Monate
  • Setzzeit: Juni, seltener Juli
  • Kälber: 1 (selten 2)
  • Verbreitung: Das Damwild hat die Eiszeiten nur in Kleinasien überdauert und ist in Mitteleuropa während dieser Zeit verschwunden. Ab dem Mittelalter wurde es hier wieder eingebürgert, nicht zuletzt, weil es sich aufgrund seiner Erscheinungsform und seiner Eigenschaften hervorragend für die Haltung in Gehegen eignet. In Österreich ist Damwild nur in wenigen Gebieten anzutreffen, der Bezirk Horn weist Österreichweit die höchsten Abschusszahlen auf.
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